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Pagliacci

Opera Italiana > Ruggero Leoncavallo



Prolog

Tonio tritt im Kostüm des Taddeo vor den Vorhang!
Meine Damen und Herren,
verzeiht mir, dass ich allein komme.
Ich bin der Prolog.
Der Autor hinter der Bühne lässt die Masken
der alten Komödie wieder auftreten.
Deshalb schickt er mich.
Ich soll euch nicht wie üblich sagen,
dass die Tränen, die wir weinen falsch sind.
Ängstigt euch nicht wegen unserer Pein und unserer Qual. Nein!
Der Autor will euch diesmal ein Stück Leben schildern.
Für ihn gilt nur, dass der Künstler ein Mensch ist,
der für Menschen schreiben muss.

In seinem Herzen regte sich die Erinnerung
an ein Erlebnis, und mit wahren Tränen
schrieb er es auf.
Seufzer klopften ihm dabei den Takt.
Ihr werdet also sehen, dass sich Menschen
lieben wie im wahren Leben.
Ihr werdet des Hasses traurige Früchte sehen.
Schreie vor Wut und Schmerz werdet ihr hören.
Und spöttisches Lachen.
Beachtet sie nicht, die armseligen Lumpen
der Komödianten.
Schaut in unsere Seelen,
denn wir sind Menschen aus Fleisch und Blut.
Wir atmen die Luft der Welt, genau wie ihr.
Das also ist unser Thema.
So seht nun, wie es sich entwickelt.

Tonio ruft zur Bühne hin:

Auf, das Spiel kann beginnen.

Der Vorhang hebt sich.

Erster Akt

Eine Schauspielertruppe erscheint in einem kalabrischen Dorf, um am Abend die Komödie von Bajazzo und Columbina aufzuführen. Der Chef der Truppe, Canio, wird den gehörnten Ehemann spielen, seine Frau Nedda die treulose Gattin. Der missgestaltete Tonio, der den Tölpel Taddeo spielt, hilft Nedda galant aus dem Wagen und wird dafür von Canio mit einer Ohrfeige bestraft. Die Dorfleute warnen Canio im Scherz, dass er Nedda und Tonio nicht allein lassen solle. Canio versichert darauf, dass er auf einen Ehebruch im wahren Leben anders reagieren würde als auf der Bühne. Die Dorfbewohner gehen in die Kirche, die Komödianten folgen einem Bauern in die Schenke.

Nedda bleibt durch Canios Worte beunruhigt zurück und hadert mit ihrem schlechten Gewissen, da sie ihren krankhaft eifersüchtigen Ehemann seit langem mit einem jungen Bauern namens Silvio betrügt. Tonio kommt alleine zurück und erklärt Nedda unbeholfen seine Liebe. Höhnisch weist sie den missgestalteten Mann zurück. Als dieser sie umarmen will, verpasst sie ihm einen Hieb mit der Peitsche. Ihr Liebhaber Silvio erscheint und versucht, Nedda zu überreden, ihren Gatten zu verlassen. Tonio belauscht die beiden und holt aus Rache Canio herbei. Der wütende Ehemann belauscht Nedda und Silvio. Sie wollen in der Nacht gemeinsam fliehen. Canio will Silvio sofort stellen, aber dem jungen Bauern gelingt die Flucht. Canio schäumt vor Wut und will von Nedda den Namen ihres Liebhabers wissen. Als er Nedda schließlich mit dem Messer bedroht, kommt Beppo, ein weiterer Komödiant, vorbei und verhindert das Schlimmste. Tonio intrigiert weiter und sagt Canio, dass der Liebhaber gewiss in die Vorstellung am Abend kommen und sich vielleicht verraten werde. Canio beklagt sein Los, mit gebrochenem Herzen spielen und lachen zu müssen (Recitar!). Dennoch zieht er sein Bajazzo-Kostüm an.

Zweiter Akt

Die Dorfbewohner versammeln sich vor der Bühne und die Komödie beginnt. Unter den Zuschauern befindet sich auch Silvio. Columbina (Nedda) erwartet ihren Liebhaber Harlekin (Beppo). Ihr Ehemann, der Bajazzo/Pagliacci (Canio), ist derweil auf Reisen. Der Diener Taddeo (Tonio) erklärt Columbine seine Liebe, wird jedoch von ihr zurückgewiesen. Harlekin und Columbine machen es sich zum Essen gemütlich, als der Bajazzo plötzlich nach Hause kommt. Harlekin flieht durchs Fenster. Canio hört, wie Nedda ihren Bühnenliebhaber mit den gleichen Worten verabschiedet wie zuvor Silvio. Schauspiel und Wirklichkeit fließen in diesem Moment zusammen und Canio wirft Nedda ihre Untreue vor. Das Publikum staunt über die realistische Darstellung auf der Bühne. Applaus! Canios Erregung wächst, und er fordert sie auf, den Namen ihres Liebhabers zu nennen. In höchster Wut ersticht er Nedda. Sterbend ruft sie nach Silvio und dieser in seiner Verzweiflung nach Nedda. Canio stürzt auf Silvio zu und sticht ihn nieder. Das Messer fällt mit den Worten:
"La commedia è finita (Das Spiel ist aus).“

Recitar! (Vesti la giuppa)

Jetzt spielen, wo mich der Wahnsinn packt?
Ich weiß nicht, was ich sage und tue.
Und doch, ich muss mich zwingen.
Bin ich etwa ein Mann?
Ich bin Bajazzo!

Pudere dein Gesicht und hülle dich in Tand.
Die Leute zahlen für ihr Lachen.
Wenn Harlekin Columbine raubt, so lache.
Bajazzo, alle werden klatschen.
Die Tränen und Schmerzen werden in Posen verwandelt.
Schneide Grimassen zu Leid und Weh.
Lache, Bajazzo, über die zerbrochene Liebe.
Lache über den Schmerz, der dir das Herz vergiftet!

Canio tritt verzweifelt hinter das Zelt. Der Vorhang fällt, es folgt das Intermezzo!

CD-Tipp:

Pagliacci (Der Bajazzo), Label: Decca aus dem Jahr 2000

Canio: José Cura (Tenor)
Nedda: Barbara Frittoli (Sopran)
Tonio: Carlos Álvarez (Bariton)
Silvio: Simon Keenlyside (Bariton)
Beppo: Charles Castronovo (Tenor)

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